Das supernette Interview mit Mella findest du unten!

Foto: Mella Dumont

Mella Dumont wurde 1978 in Rheinland-Pfalz geboren, wo sie auch heute - nach vielen Jahren in Großstädten und im Ausland - wieder lebt.

Schon immer war sie ein kreativer Mensch. "Mach doch nicht alles auf einmal!", war ein Vorwurf, den sie sich schon oft in ihrem Leben anhören musste. Aber kann man aus seiner Haut heraus?

Beruflich hat Mella die halbe Welt besucht, von Neuseeland bis Schweden war fast alles dabei. Umso schöner ist das Zurückkommen in die eigene Heimat! Heute reist sie bevorzugt mit Hilfe der Tastatur auf den Flügeln ihrer Fantasie. Ohne Jetlag, Sonnenbrand und Sicherheitskontrollen, dafür mit viel Kaffee, Tee und dem Kater auf dem Schoß.

Hallo Mella! Ich begrüße dich ganz herzlich zum Phantastik-Kongress 2016 und bin sehr froh, dass du dich zum Interview bereit erklärst.
Los geht’s logischerweise mit der ersten Frage:

Wann hast du angefangen zu schreiben und wann hast du "ernst" gemacht?
Ich habe im Oktober 2012 ein Sachbuch geschrieben, das ich kurz nach Weihnachten veröffentlichte. Dabei handelte es sich um ein Hobbyprojekt, das sich aus einer Kursteilnahme ergab.
Zu der Zeit war ich schon selbstständig, sodass ich mir meine Arbeit frei einteilen konnte. Unangenehme Dinge schob ich manchmal vor mir her. Da kam die Ablenkung durch das Bücherschreiben genau richtig! Und ehe ich mich versah, hatte ich ein zweites Sachbuch publiziert.
Der Weg zum hauptberuflichen Schreiben verlief schleichend. Immer häufiger steckte ich Zeit in die Bücher statt in Kundenakquise und Dienstleistungsgewerbe. Sobald die monatlichen Einnahmen ausreichten, gab ich die andere Tätigkeit auf und arbeitete nur noch als Autorin. Das war etwa ein Jahr vor der Veröffentlichung von Himbeermond. Anders als viele vermuten, konnte ich schon vor dem Bestseller von den Buchverkäufen leben.


Was ist Schreiben heute für dich (Spaß/Sucht/Berufung/Arbeit)?
Das hängt davon ab! Momentan ist es Arbeit, weil mich das neue Manuskript gerade ziemlich fordert. Dann gibt es ausgeprägte Suchtphasen, die liebe ich. Leider kommen die bei mir eher selten vor, zuletzt beim Schreiben des Zeitreiseromans.
Ich feiere diese Momente, wenn mir ein guter Buchtitel oder eine schöne Buchidee einfallen, das ist einfach wunderbar!
Berufung ist ein großes Wort. Ich denke, dass ich den Deckel für meinen Topf gefunden habe. Dafür bin ich sehr dankbar.


Was ist dein "richtiger" Beruf?
Wie viele darf ich nennen? Studiert habe ich Lebensmittelchemie, die Diplomarbeit absolvierte ich in der Toxikologie und die Promotion in der Biochemie. Berufserfahrung habe ich in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Consulting gesammelt.
Mein beruflicher Werdegang hat keinen roten Faden. Das war mir oft ein wenig peinlich, aber heute profitiere ich von der Vielfalt der Eindrücke, die ich gewinnen konnte.


Was haben deine Freunde und Verwandten gedacht, als du mit dem Schreiben angefangen hast?
Zunächst habe ich das nicht an die große Glocke gehängt. Mein Umfeld wusste, dass ich selbstständig bin, aber was ich jeden Tag so treibe, blieb verborgen. Die wenigen Freunde, die meine Begeisterung für die Bücher miterlebten, rieten mir meist, mich wieder auf meine eigentliche Profession zu konzentrieren. Ich sagte immer, ja, das mache ich, klar, aber wenn ich wieder an meinem Schreibtisch saß, öffnete ich die Buchdatei und tippte weiter. 😉
Erst seit einem Dreivierteljahr vielleicht wissen auch entfernte Bekannte, dass ich hauptberuflich als Autorin arbeite. Allmählich spricht es sich herum.


Was fasziniert dich an der Phantastik? (Also in deinem Fall das Paranormale/Zeitreisen)
Für mich ist die Fantasy ein Hilfsmittel, um die reale Welt zu beschreiben. Wir alle haben uns schon einmal gewünscht zu wissen, was in der anderen Person vorgeht. Lina in Himbeermond kann sehen, was andere Menschen fühlen und ist diesen Antworten einen Schritt näher als ihre empathisch weniger begabte Schöpferin.
Täglich treffen wir viele Entscheidungen. Was wäre, wenn ich rechts statt links abgebogen wäre, hätte ich auch dann den Unfall gebaut? Mit diesem Thema habe ich mich in „Als die Zeit vom Himmel fiel“ beschäftigt.
Oder das Thema Geld: Wie weit gehe ich, wenn ich fast unendlich viel davon zur Verfügung habe? Nutze ich es auch, um Rache an einer Person zu üben, die mich verletzt hat? Der Roman „Herzensrache“ setzt sich in komödiantischer Form mit dieser Frage auseinander.
In Mandelmond, dem Buch, an dem ich gerade schreibe, geht es unter anderem um Selbstdisziplin. Was passiert, wenn ich die Kontrolle über meine Gefühle verliere? Bleibe ich dieselbe Person oder zerlege ich mein Umfeld in Schutt und Asche? Hängt mein Wert davon ab, dass ich meine To-Do-Liste am Abend abgearbeitet habe?
Solche Fragen treiben mich um. Antworten zu finden, ist nicht immer leicht. Beim Schreiben kann ich mich mit diesen Themen ausführlich beschäftigen.


Wenn du Zeitreisen oder in einer andere Welt leben könntest, welche wäre das und wer wärst du dort?
Ich möchte hier leben, aber ich wünsche mir mehr Fähigkeiten, die mir helfen, Zusammenhänge zu verstehen. Warum ticken wir Menschen so, wie wir ticken? Was motiviert uns dazu, Gutes zu tun oder Kriege zu führen? Warum ist die Welt so, wie sie ist? Manchmal würde ich gern Gedanken lesen können. Oder Gefühle, wie in Himbeermond. Oder neben dem Schöpfer auf einer Wolke sitzen, nach unten zeigen und mir alles in Ruhe erklären lassen.
Liebes Leben, ich wünsche mir mehr Antworten!


Wenn du die Welt verändern könntest, was würdest du tun?
Ich würde den Menschen mehr Empathie einimpfen, allen voran den Politikern und Lobbyisten unserer Gesellschaft.

Was würdest du tun, wenn du nicht mehr schreiben könntest?
Ich würde wie Karla in "Als die Zeit vom Himmel fiel" an einer Tankstelle arbeiten.
Im mittleren und oberen Management wird zu viel heiße Luft produziert, das könnte ich auf Dauer nicht mehr ertragen. Es fällt mir schwer, einen Großteil meiner Zeit in Aufgaben zu investieren, die ich für sinnlos halte. Aber diese Dinge gehören aber dazu, wenn man das Spiel in einer größeren Firma mitspielen möchte. Wer sich verweigert, bekommt die Härte des Systems zu spüren. Dann doch lieber etwas Nützliches tun und den Job nach der Schicht vergessen.


Hast du eine lustige Anekdote auf Lager? Oder ein Geheimnis, was du noch nie jemandem erzählt hast?
Mir ist im ersten Job im allerersten Projekt die Naht meiner Hose aufgerissen. Am Po!
Ich weiß bis heute nicht, ob die Kollegen es bemerkt haben. Schwarzer Blazer, schwarze Hose, schwarze Wäsche ... Vielleicht, vielleicht nicht? Zum Glück war ich nicht beim Kunden, sondern im Consulting-Büro.
Ich ging zur Toilette und reparierte den Schaden notdürftig mit einer Sicherheitsnadel aus meiner Handtasche. Dann fuhr ich unter einem Vorwand ins Hotel und zog einen anderen schwarzen Anzug an.
Noch heute werde ich unruhig, wenn ich an diesen Tag zurückdenke. Der Riss war nicht gerade klein ...


Wo kann der Leser dich im Netz und wo im echten Leben erleben?
Am aktivsten bin ich auf Facebook, ansonsten findet man Bilder auf Instagram. Mein Kater ist ein beliebtes Motiv. Der ist immer fotogen! Dann twittere ich ab und zu und auf meiner Homepage schreibe ich Blogartikel und gewähre den Lesern einen virtuellen Blick auf meinen Schreibtisch. Da ich ein zurückhaltendes Pflänzchen bin, sind die Gelegenheiten, mich zu treffen, ziemlich rar.


Wenn du sonst noch was zu erzählen hast, immer her damit! 🙂
Am Ende des Interviews möchte ich noch die Gelegenheit nutzen, mich bei dir, Jan, für das Interview zu bedanken. Es hat mir großen Spaß gemacht, deine Fragen zu beantworten! Herzlichen Dank auch an meine wunderbaren Leser, die mir Nachrichten schicken, auf meine Chronik posten, meine Bücher weiterempfehlen und mir Mut machen, wenn ich gerade nicht wie gewünscht voran komme. Was ist ein Autor schon ohne seine Leser? Tausend Dank!